
Die Insel
Wörth
Mitten im Schliersee liegt eine Insel mit einem Gasthaus. Sie heißt Wörth, ist gut zwei Hektar groß und war schon besiedelt, als es den Ort am Ufer noch nicht gab. Geologisch ist sie kein Zufall, sondern die Spitze eines Damms, der den ganzen See in zwei Hälften teilt. Und dann gibt es da noch die Geschichte vom Hungerturm.
Die Insel in Zahlen
2,4Hektar Fläche
200Meter zum Westufer
1832seit diesem Jahr angefahren
1Insel im ganzen See
Der Name sagt schon alles
Wörth kommt vom althochdeutschen werid und heißt nichts anderes als Insel.
Die Wörth, meist Insel Wörth genannt, ist die einzige Insel im Schliersee. Der Name stammt vom althochdeutschen werid und dem mittelhochdeutschen wert und bedeutet schlicht Insel. Wer sie also Insel Wörth nennt, sagt die Sache zweimal, und das tut hier trotzdem jeder.
Sie ist gut zwei Hektar groß, dicht bewaldet und mit einem Gasthaus bebaut. An der nächsten Stelle liegt sie knapp zweihundert Meter vom westlichen Ufer entfernt. Zu Fuß kommt man nicht hin. Wer hinüber will, nimmt das Schiff oder ein Ruderboot.
Vom Uferweg aus sieht man sie ständig, aus jeder Richtung anders. Von Süden liegt sie vor dem Ort, von Norden vor den Bergen. Sie ist der Grund, warum der Schliersee auf Fotos sofort erkennbar ist.

Warum sie überhaupt da ist
Kein Zufall, sondern die Spitze eines Damms quer durch den See.
Die Insel ist der über den Wasserspiegel ragende Teil eines massiven Querdamms, der in ost-westlicher Richtung durch den See verläuft und ihn in zwei Becken gliedert. Sie ist also nicht etwas, das im See liegt, sondern etwas, das aus ihm herausschaut.
Geologisch handelt es sich um einen Flyschrücken. Das Gestein gehört zur Kalkgraben-Formation im Rhenodanubischen Flysch, benannt nach einem ehemaligen Steinbruch im Schlierseer Ortsteil Kalkgraben, der als Typlokalität gilt.
Etwa zweihundert Meter nördlich der Insel liegen mehrere Untiefen. Dort reichen vergleichbare Flyschrücken bis knapp unter die Wasseroberfläche. Wer mit dem Ruderboot unterwegs ist, merkt das an manchen Stellen.
Von Nordwesten schiebt sich zusätzlich die Halbinsel Freudenberg in den See. Sie ist der Rest eines zweiten solchen Riegels, der früher bis zum Weinberg mit der Kapelle St. Georg am Nordostufer reichte. Der See ist also nicht eine Wanne, sondern eine Kette von Becken, die durch solche Rücken getrennt werden.
Die Insel liegt nicht im See. Sie schaut aus ihm heraus.
Schafe, ein Brunnen und ein Dampfschiff
Besiedelt seit vorgeschichtlicher Zeit, im Mittelalter Weidefläche, ab 1832 Ausflugsziel.
Die Insel ist seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Ihr Südufer steht als Bodendenkmal unter Schutz. Damit ist sie älter als praktisch alles, was heute am Ufer steht.
Im Mittelalter war sie unbewaldet und diente als Weidefläche für Schafe. Noch in den 1810er Jahren zeigt das bayerische Urkataster sie unbebaut und nur wenig bewaldet. Einen Brunnen gab es damals aber schon, was einiges darüber sagt, wie regelmäßig Menschen dort waren.
Der Wandel kam mit der Dampfschifffahrt. In den 1830er Jahren erhielt die Insel eine Anlegestelle und wurde ab 1832 regelmäßig angefahren. Später entstand ein Ausflugslokal, das es bis heute gibt. Der Wald, der sie heute vollständig bedeckt, ist also jünger als der Ausflugsverkehr.

Die Legende vom Hungerturm
Ein Ritter von Waldeck, ein Kreuzzug und eine Strafe, die man sich lieber nicht ausmalt.
Um die Insel rankt sich die Legende des Hungerturms. Einer der Ritter von Waldeck soll nach der Rückkehr von einem Kreuzzug seine untreu gewordene Gattin und deren Geliebten auf die Insel verbannt und dort verhungern lassen haben.
Ob das je so war, lässt sich nicht sagen, und wahrscheinlich ist es auch nicht. Solche Geschichten hängen an fast jeder Insel in Süddeutschland. Interessant ist etwas anderes: Sie zeigen, dass die Insel im Bewusstsein der Gegend immer ein besonderer Ort war, lange bevor jemand auf die Idee kam, dort ein Wirtshaus hinzustellen.
Wenn du mit dem Schiff hinüberfährst, an einem stillen Vormittag im Oktober, verstehst du den Reiz der Geschichte sofort. Zweihundert Meter Wasser sind nicht viel. Sie sind aber genug.
Kurz gefasst
- Fläche
- 2,4 Hektar
- Bewuchs
- dicht bewaldet, mit Gasthaus
- Abstand zum Westufer
- knapp 200 Meter
- Geologie
- Flyschrücken, Kalkgraben-Formation
- Schutzstatus
- Südufer als Bodendenkmal
- Erreichbar
- nur mit Schiff oder Ruderboot
- Erste Anlegestelle
- 1830er Jahre, angefahren ab 1832
Adressen und Quellen
Alle Adressen führen zu den Betreibern selbst. Zeiten und Preise ändern sich, prüf sie dort.
Schliersee Schifffahrt
Rundfahrten mit der Schliersee III, dazu der Bootsverleih und der Kiosk am Ufer.
Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung
Der See gehört dem Freistaat. Hier steht, wer ihn verwaltet und was gilt.
Tourismus Schliersee
Die offizielle Seite der Gemeinde mit Veranstaltungen, Gästekarte und aktuellen Hinweisen.
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Badegewässer, Messwerte und die Geotope der Region, amtlich.
Schliersee Magazin
Das Ortsmagazin. Wer wissen will, was gerade wirklich läuft, liest hier nach.
Häufige Fragen.
Wie groß ist die Insel im Schliersee?
Die Insel Wörth misst 2,4 Hektar. Sie ist dicht bewaldet, mit einem Gasthaus bebaut und liegt an der nächsten Stelle knapp zweihundert Meter vom westlichen Seeufer entfernt.
Wie kommt man auf die Insel Wörth?
Nur über das Wasser. Von Mai bis September fährt die Schliersee Schifffahrt, außerdem gibt es am Ufer Ruder-, Tret- und Elektroboote zu leihen. Eine Brücke oder einen Damm gibt es nicht.
Warum liegt mitten im Schliersee eine Insel?
Sie ist der über den Wasserspiegel ragende Teil eines massiven Querdamms, der in ost-westlicher Richtung verläuft und den See in zwei Becken gliedert. Geologisch ist sie ein Flyschrücken der Kalkgraben-Formation. Etwa zweihundert Meter nördlich reichen vergleichbare Rücken bis knapp unter die Wasseroberfläche.
Wohnt jemand auf der Insel Wörth?
Die Insel ist bebaut und trägt ein Gasthaus. Besiedelt ist sie seit vorgeschichtlicher Zeit, ihr Südufer steht als Bodendenkmal unter Schutz. Im Mittelalter war sie unbewaldet und diente als Schafweide.
Was bedeutet der Name Wörth?
Er kommt vom althochdeutschen werid und dem mittelhochdeutschen wert und bedeutet Insel. „Insel Wörth" sagt die Sache also zweimal.
Seit wann fährt ein Schiff zur Insel?
Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt in den 1830er Jahren erhielt die Insel eine Anlegestelle und wurde ab 1832 regelmäßig angefahren. Später entstand dort das Ausflugslokal. Motorschifffahrt gibt es auf dem Schliersee seit 1897.
Weiterlesen
- Die Schifffahrt auf dem See
Rundfahrten von Mai bis September, dazu Ruder-, Tret- und Elektroboote.
- Geheimtipps am Schliersee
Zehn Tipps der Gastgeber, vom Weinberg hinter dem Haus bis zur Insel Wörth.
- Der Seerundweg
7,4 Kilometer einmal um den See, fast ohne Steigung.
- Tegernsee oder Schliersee
Viermal so groß, fünf Orte am Ufer. Der Vergleich mit Zahlen statt Meinung.
Von hier aus starten
Unser Haus steht mitten im Ort, sieben Gehminuten vom Bahnhof und vier vom Wasser. Fragen zur Region beantworten wir gern an der Rezeption, täglich von 7:30 bis 20:00 Uhr unter +49 8026 92921-0.
